BMW 3.0 CL - Ein Bayer im siebten Himmel
200 PS, sechs Zylinder – das klingt nach Porsche-Killer. Dachten wir – und lernten auch eine sanftmütige Seite des großen BMW-Coupés kennen. Der BMW-Oldie 3.0 CSi beherrscht kommodes Gleiten und den sportlichen Sprint.
Eigentlich war es ja klar.
Der 3.0 CSi trägt seine Spezialität im Namen: BMW – Bayerische Motoren Werke. Und tatsächlich steckt das Highlight unter der Motorhaube: ein Reihensechszylinder, wie er im Buche steht. Der Antrieb: Die Vorteile dieser Zylinder-Anordnung kennen wir. Weniger Vibrationen, Kräfte erster und zweiter Ordnung können leichter ausgeglichen werden – und so weiter… Was in der Theorie trocken klingt, ist den Ingenieuren in der Praxis genial gelungen: Der bayerische Sechsender röhrt nahezu vibrationsfrei, fast so rund wie eine Turbine. Je schneller sich die Kurbelwelle dreht, desto heller, reiner und hochfrequenter klingt diese Maschine. Hier trompeten die Engel im Chor – und blasen dem blauen Coupé kräftig den Marsch. In Zahlen: 8,9 Sekunden braucht der 3.0 CSi für den Sprint auf 100 km/h.
Der 3.0 CSi fährt sich fast wie ein moderner BMW
Durch die schmalen Dachpfosten und die fehlende B-Säule wirkt der BMW 3.0 CSi geradezu grazil. Gut im Training, der Heißsporn aus dem Jahr 1974. Dass Opa bis 4500 Touren unter einer  Antrittsschwäche leidet, sei ihm verziehen. Diese ermöglicht auch ein zweites Gesicht: Bis 4500 Umdrehungen handzahm, ein BMW zum Brötchenholen. Darüber dann lässt er die Sau, sorry, die 200 PS raus. Engelchen und Teufelchen. Mit welchem wollen Sie spielen? Als Fahrer treffen Sie die Wahl. Mit dem Gasfuß und der rechten Hand. Die macht Bekanntschaft mit der perfekt leichtgängigen, exakten Viergangschaltung. Fast ist es, als sei die Zeit in den letzten Jahrzehnten stehen geblieben. Moderne BMW-Schaltungen fühlen sich genauso an – nur mir mehr Gängen. Gelassenheit ist Trumpf

Das Fahrwerk: Die Beinarbeit des BMW 3.0 CSi übernimmt das Engelchen. Erstaunlich gelassen, sanftmütig gleitet das Coupé über Sünden der Straßenbauer. Flicken, Fugen, Gullydeckel – das alles wird sogar aus heutiger Sicht ordentlich pariert. Gelobt sei, was hart macht? Im Gegensatz zu manch modernem BMW stand dies beim 3.0 CSi nicht im Lastenheft. Der weiß-blaue Oldie ist um Ausgleich zwischen sicheren Fahreigenschaften und Komfort bemüht. Die Servolenkung liefert das passende Gefühl dazu: leichtgängig, zielorientiert, exakt. Überrascht stellen wir fest:Der BMW 3.0 CSi ist gar nicht die Sportkanone, für die wir ihn hielten. Stattdessen gibt er den sanften, ausgeglichenen Typ.

Edle Hölzer und samtiges Velours passend zum komfortabel abgestimmten Fahrwerk: weiche Sessel, mit anschmiegsamem Velours bezogen – ein Stoff, der zu Unrecht in Vergessenheit geriet –, üppig gepolstert, perfekt für lange Strecken. Vorn zumindest. Hinten wird es dagegen eng, nicht nur lange Beine ecken an.

Also Kinder, hier ist euer Reich. Zur Belohnung dürft ihr auf die Knöpfe in der Mittelkonsole drücken und die Fenster elektrisch öffnen. Vorn wird gekurbelt. Skurril, aber praxisgerecht. Vorn kommt der Fahrer problemlos ran, hinten nur unter Verrenkungen.


Einige Details erinnern an eine noble Jacht Blauer Salon:
Plüschige Velourspolster und Echtholz verleihen dem BMW ein nobles, maritimes Ambiente. Darüber hinaus verwöhnt BMW mit Liebe zum Detail: feine Chromlinien um die Instrumente glänzende Beschläge an den Sitzen, viel Holz. Das erinnert an noblen Jachtbau. Genau wie die filigrane, übersichtliche, aber weiche, verwindungsfreudige Karosserie. Die übrigens nicht in München gebaut wurde, sondern bei Karmann in Osnabrück. Die Kosten: Wirklich billig war der CSi nie. Mittlerweile wird er eher teurer. Wertverlust? Vergangenheit. Was bleibt: hohe Spritkosten, aber, dank des H-Kennzeichens, günstige Fixkosten (Steuer/Versicherung).
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